Friday-Project: Everything for the Summit

Just days before I left Laos, the 9th ASEM Summit took place in Vientiane. More than 30 heads of government took part in the event and slept on land grabbed from a farming community in central Vientiane. The europeans remained quiet and missed a big chance to speak out against the growing problem of land grabbing in Laos.

Together with a friend I covered the event. An english version of the text will follow soon. The names of most people have been changed to ensure they’re safe from government persecution.

Photos: Lucas Wahl, Text: Sibut

A sandstorm is hitting the construction site of the ASEM villas. The Don Chan palace hotel in the background was constructed to host visitors of the 2009 SEA Games but is already in need of renovation.

Don Chan residents are saving worthy materials from the remains of their home as it is being destroyed to make place for the ASEM construction site.

A young Don Chan resident is watching the destruction of her home which is removed to make place for the ASEM construction site.

An overview of Don Chan Island with the ASEM villas and the Landmark Mekong Riverside Hotel in the back. 500 farmers were evicted from their fertile island to make way for the infrastructure project. The communist government of Laos said the development was necessary to be able to succesfully host the ASEM summit 2012.

A lao military police is blocking reporting on a protest against the Xayaburi dam in Laos. Thai protesters were using the occasion of the ASEM Summit to get attention from international media covering the 9th ASEM summit taking place in Vientiane. Even accredited Journalists were blocked from any form of reporting. Laos ranks 165th on the freedom of the press index of reporters without borders.

German minister of foreign affairs, Guido Westerwelle, is reading a paper in his private ASEM Villa. 100 families were evicted from their land to give space for the 50 Villas heads of state were using during their visit to Vientiane.

Resettled villagers from Don Chan Island are seen on the construction site of their new home 26 km from Vientiane. They never finished the new house since the promised compensation money was only partially given to them.

A view of the resettlement village for former Don Chan inhabitants. The new village is located 26 km out of town and many inhabitants have lost their jobs due to the resettlement.

A resettled villager from Don Chan island that does not want to be indentified (she fears to be harassed by the government) poses for a portrait in her new home. She claims that she never received compensation money as promised.

Alles für den Gipfel

Die etwa 30 Staats- und Regierungschefs, die zum Asien-Europa-Treffen (ASEM) am 5. und 6. November nach Vientiane kamen, nächtigten auf einem Stück Land, von dem etwa 500 Bauern eigens vertrieben worden waren. Die Europäer verhielten sich dabei erschreckend still – und verpassten damit eine große Chance, sich gegen das grassierende Land Grabbing in Laos einzusetzen.

Und plötzlich ging alles ganz schnell.

Frau Lar und den anderen Bauern der fruchtbaren Halbinsel Don Chan im Herzen von Vientiane wurde gesagt, sie müssten weichen für ein wichtiges politisches Treffen. Sie bekamen ein paar Monate, um sich in einem ausgewiesenen Gebiet etwa 26 km außerhalb der Stadt ein neues Haus zu bauen und umzuziehen.

Dann kamen die Bagger.

Während die Bewohner noch ihre letzten Eigentümer zu retten versuchten, rissen die Baufahrzeuge schon alles ab. Wenige Monate später stehen an jener Stelle 50 von chinesisch-laotischen Investoren gebaute Villen für die Staats- und Regierungschefs des Asien-Europa-Treffens; und nebenan das gigantische Landmark Mekong Riverside Hotel für die anderen Gipfel-Teilnehmer.

Frau Lar sitzt währenddessen in ihrem neuen Haus im Niemandsland und weiß nicht, was sie tun soll. Wie die meisten Anderen ist sie Landwirtin, doch auf der roten Lehmerde wächst nichts. Ihren Zusatz-Job als Hausangestellte in Vientiane musste sie auch aufgeben. Zu weit waren die Wege, zu teuer der Transport.

Sie fragt, »warum mussten wir hier rausziehen, warum kann dieses Treffen nicht hier draußen stattfinden? Die Politiker gehen doch nach zwei Tagen eh wieder nach Hause.«

Diese Frage stellen sich die anderen Bewohner des Dorfs auch. Zwar haben sie Angst mit Ausländern zu reden – es wurde ihnen ausdrücklich verboten – doch einige sprechen aus Verzweiflung trotzdem.

Sie beschweren sich über deutlich weniger Land und Kompensation als versprochen. Viele Häuser stünden nur als Gerippe, weil das Geld nicht mal für diese gereicht habe. Es gäbe keinen Tempel und keine Schule. Und nie habe mal jemand mit ihnen gesprochen, was sie denn eigentlich bräuchten, um trotz Umsiedlung gut leben zu können.

In der Tat gleicht der Ort einer Geisterstadt. Von laotischer Lebensfreude und Miteinander ist nichts zu spüren. Das gesellschaftliche Leben scheint still zu stehen. Und Alles liegt unter rotem Staub.

Für diesen sind die vielen Lastwagen verantwortlich, die Baumaterial für eine 110-Hektar große Chinesisch-geführte Sonderwirtschaftszone ranschaffen, den Vita-Park.

Der Betreiber sagt, die Regierung habe ihnen versichert, dass Investoren auch dort, 26 km außerhalb der Stadt, ausreichend Arbeitskräfte finden würden. Es scheint kein Zufall zu sein, dass die letzten drei umgesiedelten Dörfer aus Vientiane allesamt in diese abgelegene Gegend verlegt wurden.

Die ersten Fabriken sind bereits fertig. Sie zahlen $65 im Monat für 10 Stunden Arbeit am Tag, 7 Tage die Woche. Solche Bedingungen sind selbst nach laotischen Standards inakzeptabel.

Das ist die traurige Realität von Land Grabbing in Laos; Investitionen in große Ländereien, die praktisch ausschließlich den Investoren und korrupten Offiziellen dienen und die Interessen der betroffenen Bevölkerung völlig unberücksichtigt lassen.

Etwa 18% aller Dörfer und Tausende Menschen im Land hätten solche Formen von Vertreibung bereits erfahren müssen, schätzt die Organisation Global Witness. Weil Land Grabbing aber so schwer zu identifizieren ist, könnte der tatsächliche Umfang deutlich höher liegen.

Die Regierung selbst nimmt an, dass bis 2011 etwa 5.000.000 Hektar – oder 21% der gesamten Landesfläche – als Konzessionen an Investoren gegangen sind. Einige 10.000 Menschen in Laos sind nach einer Studie von SOGES auf Grund von solchen und anderen Maßnahmen umgesiedelt worden.

Vor diesem Hintergrund geht eine Entwicklungorganisation mit Projekten vor Ort so weit zu sagen: »Laos wird zunehmend zu einem Land von internen Vertriebenen.«

Und wie stehen die europäischen ASEM-Partner zu land grabbing im Land und den Umständen, unter denen der ASEM-Gipfel stattfand?

Erst im Februar 2012 hat sich der deutsche Entwicklungsminister, Dirk Niebel, während seines Aufenthaltes in Laos gegen das Problem stark gemacht. Und nun hat sein Kabinettskollege, Guido Westerwelle, beim Asien-Europe-Treffen in einer Villa genächtigt, die nur durch einen land grab hatte entstehen können.

Aber die europäischen Partner sehen das anders.

Sie halten das Umsiedlungsprojekt für ASEM für das wahrscheinlich transparenteste und am besten gemanagte im gesamten Land, und gehen davon aus, dass alles im Einklang mit den relevanten Gesetzen abgelaufen ist. Zweimal haben sie das Dorf zudem selbst besucht, ihr Ergebnis: die neuen Häuser sahen gut aus, die Bewohner waren zufrieden.

Leider waren die Europäer in ihrer Rolle als Diplomaten und in Begleitung von hochrangigen Regierungsoffiziellen in das Dorf gefahren. Wer da glaubt, er habe im autoritären Ein-Parteien-Staat Laos Einblicke bekommen, wie es den Menschen wirklich geht, der will zu keinem ehrlichen Ergebnis kommen.

Für den ASEM-Gipfel schauten die Europäer weg.

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